Es ist mal wieder soweit. Die Hexenjagd gegen Computerspiele und ihre Spieler ist mal wieder eröffnet.
Bayern’s Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hat sich sogar soweit aus dem Fenster gelehnt, dass er gewalthaltige Spiele (oder wie ungebildete Politiker gerne sagen: “Killerspiele”) mit Kinderpornographie und Drogenhandel vergleicht. Quelle: http://www.golem.de/0904/66255.html
Das ist eine bodenlose Frechheit. Wie soll das weitergehen? Bekommen wir als Fans von Ego-Shootern oder Spielen die ab 18 Jahren freigegeben sind demnächst Aufkleber oder Buttons die wir gut sichtbar an unserer Kleidung tragen müssen, damit ein jeder der keine USK 18 Titel mag mit Tomaten auf uns werfen kann oder uns beleidigen und denunzieren darf?
Auch das Fernsehen hat in der Vergangenheit ja bereits öfter Spiele und deren Spieler denunziert und verleumdet. Ein schönes Video zum Thema gibt es hier: http://www.youtube.com/watch?v=R9JRm3iQQak
Ebenfalls gibt es ein gut gemachtes Video das einen ganz anderen Vergleich anstellt: http://www.youtube.com/watch?v=esVUZ3XDYdE
Tja liebe Politiker. Kümmert euch doch mal um wirkliche Probleme wie z.B. Misstände in den Familien, alkoholabhängige Jugendliche, Waffen in Privatbesitz (Hallo Winnenden!) und anderen Dingen die nachweislich in die falsche Richtung laufen. Ach ne, stimmt ja, dieses Jahr ist ja ein großes Wahljahr und irgendwas muss man ja an schmissigen Wahlkampfthemen vorweisen. Dann suchen wir uns doch einfach eine Gesellschaftsgruppe raus über die viel zu viele viel zu wenig wissen und hacken ein wenig auf denen rum. Sorry, aber auch hier kann man wieder nur Dieter Nuhr zitieren (wie so oft wenn es um Politiker geht): “Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Fresse halten”.
Warum nehmt ihr euch nicht mal die Schützenvereine vor? Da liegen die Waffen rum mit denen Menschen getötet werden (und nochmal: Hallo Winnenden!) oder vielmehr bei den Mitgliedern zuhause und das hier und da auch noch in massiver Anzahl (sagte ich schon Hallo Winnenden!?).
An alle Sport- und Freizeitschützen: Ich möchte eure Vereine und eure Aktivitäten nicht schlecht reden, ich wollte lediglich mal aufzeigen wie leicht man einfach eine bestimmte Gesellschaftsgruppe in eine Schublade stecken kann um dann mit dem Finger drauf zu zeigen ohne zu hinterfragen. Das hinter dem Amoklauf in Winnenden mehr Sachen stecken als nur die Tatsachen dass der Junge ein Actionspiel besaß und zuhause eine Waffe offen rumlag sollte allen Menschen, deren IQ über 10 liegt, klar sein. Beides waren evtl. Faktoren in dem ganzen Dilemma, das möchte ich gar nicht ausschliessen, aber damit jemand so etwas durchzieht muss doch noch einiges anderes im Leben falsch gelaufen sein, oder sieht das jemand anders? Denn auch wenn Menschen Waffen besitzen, rennen sie nicht direkt los und töten Menschen oder sind potentielle Mörder. Wenn dem so wäre, wären Schützenvereine sicherlich schon längst verboten. Das gleiche gilt auch für Spieler von gewalthaltigen Computerspielen.
In diesem Sinne: fröhliche Hexenjagd!
Vielleicht sind bei der nächsten Wahl mal andere dran wie z.B. Leser von Horrorliteratur oder Konsumenten von Hip-Hop oder irgend was anderes gemeines, brutales und fieses.
Diese Tageszeitungen und TV-Magazine, die nicht recherchieren sondern lediglich Hetze betreiben, werden sicher einen Bären finden den sie ihrer verdummten Zielgruppe aufbinden können.
P.S.: Die meisten Amokläufer die mit Actionspielen in Zusammenhang gebracht werden waren unter 18 Jahre alt. Die im Zusammenhang genannten Actiongames sind aber alle erst ab 18 Jahren freigegeben (abgesehen von Counterstrike dt. Version - USK 16). Vielleicht sollte man sich hier erstmal die Frage stellen wieso diese “Kinder” überhaupt im Besitz solcher Spiele waren.